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Corona-Infektion kann Plazenta zerstören und Totgeburt auslösen

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21.02.2022

Eine COVID-19-Erkrankung während der Schwangerschaft verdoppelt das Risiko für eine Totgeburt. Ein internationales Forscherteam konnte nun aufklären, wie das Corona-Virus die Totgeburten auslöst.

Junges Paar trauert nach Fehlgeburt

Unter der Leitung des Pathologen Dr. David Schwartz untersuchten 44 Perinatal-Spezialisten aus 12 Ländern die Todesursache von 64 Totgeburten und 4 verstorbene Neugeborenen, die von Müttern mit COVID-19 entbunden worden waren. Das Hauptaugenmerk dieser klinisch-pathologischen Untersuchung richtete sich dabei auf die Plazentas.

Ungeimpft erkrankte Schwangere, stark geschädigte Plazentas

Alle betroffenen Mütter waren ungeimpft und keine war schwer an COVID-19 erkrankt. Die Totgeburten ereigneten sich im Mittel in der 30. Schwangerschaftswoche.

Bei allen untersuchten Mutterkuchen fanden die Forscher massive Fibrinablagerungen im sogenannten intervillösen Raum. In diesem Teil der Plazenta umspült das mütterliche Blut die fetalen Blutgefäße (Plazentazotten), welche das Ungeborene über die Nabelschnur mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen und Kohlendioxid entsorgen. Des Weiteren fanden die Pathologen in allen Mutterkuchen abgestorbenes Zottengewebe (villöser Trophoblast). Bei 66 Mutterkuchen stellten die Forscher zudem eine sogenannte chronische histiozytäre Intervillositis (CHIV) fest. Außerdem fanden die Forscher zahlreiche Blutgerinnsel und teils chronisch entzündete Plazentazotten.

Massive Fibrinablagerungen, abgestorbenes Zottengewebe und CHIV sind Anzeichen einer SARS-CoV-2-Plazentaentzündung (Plazentitis). Diese führte zu starken Gewebeschäden und zerstörte große Teile der Plazenta.

Insgesamt autopsierte das Forscherteam 29 Totgeburten und ein verstorbenes Neugeborenes. Am häufigsten fanden die Pathologen Anzeichen von Sauerstoffmangel, z. B. Blutungen in verschiedenen Organen. Bei 16 der Feten war der Nasenabstrich positiv auf SARS-CoV-2. Bei 4 Totgeburten fanden sich in den inneren Organe Spuren des Virus. Es fanden sich keine Belege dafür, dass die Infektion den Tod der Ungeborenen mitverursacht haben könnte.

COVID-19 in der Schwangerschaft gefährdet Ungeborene und Neugeborene

Ähnlich wie das Zika-Virus kann SARS-CoV-2 in die Plazenta und das Ungeborene vordringen.

Infolge einer Corona-Infektion kann die Plazenta so stark geschädigt werden, dass der Fetus nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird. Das Kind „erstickt“ im Mutterleib oder erleidet so starke Hirn- und Organschäden durch den Sauerstoffmangel, dass es kurz nach der Geburt stirbt.

Die Studie wurde vor dem Auftreten der Omikron-Variante durchgeführt. Es ist unklar, ob eine Infektion mit der neuen Variante ebenfalls das Risiko für eine Totgeburt erhöht.

Quelle: David A. Schwartz et al, Placental Tissue Destruction and Insufficiency from COVID-19 Causes Stillbirth and Neonatal Death from Hypoxic-Ischemic Injury: A Study of 68 Cases with SARS-CoV-2 Placentitis from 12 Countries, Archives of Pathology & Laboratory Medicine (2022). DOI: 10.5858/arpa.2022-0029-SA

Autor/Autoren: äin-red

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