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Sichere Medikation von Frauen in Deutschland durch zunehmende Lieferausfälle gefährdet

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15.09.2022

Das Thema für den Welttag der Patientensicherheit am 17. September 2022 lautet „Sichere Medikation“; ein Aspekt der auch in der Gynäkologie und Geburtshilfe von besonderer Bedeutung ist. Ob im Kreißsaal oder im OP, im Rahmen einer Krebstherapie, einem notwendigen Schwangerschaftsabbruch oder einer angezeigten Hormonbehandlung – überall spielt die sichere Medikation eine enorm wichtige Rolle für die Gesundheit der Frau und – im Fall von Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit – auch für ihr Kind.

Ärztin zieht Spritze auf

Der gelebten Patientensicherheit dienen die zahlreichen medizinischen Leitlinien. Von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) e.V. herausgegeben, kondensieren sie das durch internationale Forschungsarbeit stetig wachsende Wissen in konkreten Handlungsempfehlungen und bieten so, meist interdisziplinär erarbeitet, einen verbindlichen Rahmen für Klinik und Praxis.[1] Verbunden mit den regelmäßig absolvierten Fortbildungen aller Ärztinnen und Ärzte profitieren die Patientinnen so persönlich vom medizinischen Fortschritt.

„Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. ist Mitglied im Aktionsbündnis für Patientensicherheit Deutschland (APS e.V.). Das Thema hat für uns im Sinne einer hochwertigen Versorgung der Frau absolute Priorität. Aktuelle Forschungsergebnisse werden vom 12.-15. Oktober 2022 auf dem 64. DGGG-Kongress im ICM – International Congress Center München präsentiert.“
Prof. Dr. Anton J. Scharl, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.

Kurzfristig auftretende Lieferausfälle gefährden die sichere Medikation

Eine ernsthafte Gefahr für die sichere Medikation der Frau sind die anhaltenden Lieferausfälle für essenziell wichtige Medikamente, wie etwa aktuell für das nur noch schwer verfügbare Brustkrebsmedikament Tamoxifen. Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS) engagiert sich für die Brustgesundheit von Frauen. Ihre Vorsitzende, Frau Prof. Sara Y. Brucker erklärt: „Das Beispiel Tamoxifen zeigt uns eindrücklich, wie kritisch ein vollumfänglicher Lieferausfall für die etwa 130.000 betroffenen Patientinnen ist. Das gilt sowohl für jene, die wir therapieren können als auch für die Frauen, denen wir in ihrem letzten Lebensabschnitt, wir nennen das Palliativtherapie, mithilfe des medizinischen Fortschritts eine möglichst hohe Lebensqualität angedeihen lassen möchten. Gemeinsam stehen wir vor der immensen Herausforderung, Wege zu finden, um vollumfängliche Lieferausfälle zukünftig zu verhindern.“

Die GBCOG-Vertreter fordern ganz konkret eine transparentere schnelle Kommunikation bei Lieferengpässen. Für eine nachhaltige Versorgungssicherheit braucht es eine Neuausrichtung, die nicht länger durch die Mechanismen von Preis- und Rabattdruck gefährdet ist, sondern eine Skalierbarkeit bietet, die Schaden von den Patientinnen abwendet.

„Die Verfügbarkeit von essenziellen Medikamenten hat eine zentrale Bedeutung für die öffentliche Gesundheit sowie für die Gesundheit zukünftiger Generationen, da Arzneimittel auch in Schwangerschaft und Stillzeit eine wichtige Rolle spielen. Mit Blick auf die Erfahrungen zu hoch problematischen Abhängigkeiten im Energiesektor sollten dringend Strategien gegen die Abhängigkeiten bei der Arzneimittelversorgung auf allen Ebenen umgesetzt werden.“
Dr. Klaus Doubek, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V.

Der Berufsstand bekennt sich in diesem Zusammenhang auch zum neuen 10. Nationalen Gesundheitsziel „Patientensicherheit“, welches in diesem Monat veröffentlicht wird.[2] „Gesundheitsziele sind ein gutes ergänzendes Steuerungsinstrument im Gesundheitswesen. Es ist ein sinnvolles Bestreben, Patientensicherheit von nun an gemeinsam auf allen Ebenen des Gesundheitswesens voranzubringen“, betont der GBCOG-Sprecher, Prof. Babür Aydeniz (Ingolstadt).

Gleichwohl mahnen die GBCOG-Vertreter unisono an, dass in Deutschland auch die notwenigen Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, um das vorangegangene 9. Nationale Gesundheitsziel „Gesundheit rund um die Geburt“[3] im Hinblick auf eine flächendeckende und hochwertige Geburtsmedizin sicherzustellen. Um qualitative Kontinuität bei der Schwangerenbetreuung zu gewährleisten, muss bei diesem Gesundheitsziel allerdings gleichzeitig die Qualifikation in der ambulanten Schwangerenversorgung stärker berücksichtigt werden, wie sie im Curriculum der fachärztlichen Ausbildung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe vorgeschrieben ist. Die überwiegende Zahl der Schwangeren nimmt ihre Vorsorge bei ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt wahr, einer Facharztgruppe, die flächendeckend ihre Leistungen zur Verfügung stellt und damit auch die Schnittstelle zur medizinischen Betreuung unter der Geburt schließt. Die Bundesregierung hat für das 9. Nationale Gesundheitsziel in ihrem Koalitionsvertrag „Mehr Fortschritt wagen“ einen Aktionsplan zur Umsetzung angekündigt.[4] DGGG-Präsident Prof. Scharl: „Die einzelnen Ziele müssen im praktischen Alltag umgesetzt werden können, sonst sind es nur auf Papier gebrachte Lippenbekenntnisse.“ Dies gelte für alle Gesundheitsziele, ganz besonders aber auch für das 9. Ziel, dass den Anfang des Lebens in den Mittelpunkt der Bemühungen stellt. „Momentan sind wir von einer flächendeckenden Umsetzung des Ziels leider noch entfernt“, fasst der Präsident der Fachgesellschaft zusammen.

GBCOG-Mitteilung vom 14.09.2022

Quellen:
[1] https://www.awmf.org/fachgesellschaften/mitgliedsgesellschaften/visitenkarte/fg/deutsche-gesellschaft-fuer-gynaekologie-und-geburtshilfe-dggg.html
[2] https://gvg.org/de/article/223.aktuelles-aus-der-ag-patientensicherheit.html
[3] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Gesundheit/Broschueren/Nationales_Gesundheitsziel_Gesundheit_rund_um_die_Geburt.pdf
[4] https://www.spd.de/fileadmin/Dokumente/Koalitionsvertrag/Koalitionsvertrag_2021-2025.pdf

 

 

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