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PDA verringert Risiko für schwere Komplikationen bei der Geburt

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05.04.2022

Eine Periduralanästhesie (PDA) wird meist auf Wunsch der werdenden Mutter vorbeugend eingesetzt, um Geburtsschmerzen zu lindern. Eine US-Studie zeigt nun, dass die Maßnahme auch das Risiko für schwere mütterliche Komplikationen bei der ersten vaginalen Geburt deutlich verringert.

Gebärende im Kreißsaal mit Mann und Geburtshelfer

Neben dem Wunsch nach einer schmerzfreien Geburt gibt es eine Reihe von Umständen, die eine PDA medizinisch begründen. Dazu zählen unter anderem Risikogeburten – beispielsweise bei Bluthochdruck, Diabetes, Mehrlingsschwangerschaft oder Fehllage des Ungeborenen. Aber auch ein geplanter Dammschnitt oder traumatisierende Schmerzen bei einer früheren Entbindung können eine PDA notwendig machen. Die schneller wirksame Spinalanästhesie (SPA) kommt üblicherweise bei einem geplanten oder ungeplanten Kaiserschnitt zum Einsatz.

Studie mit über 575.000 Gebärenden zwischen 15 und 49 Jahren

Forschende der Columbia University untersuchten im Rahmen einer Querschnittstudie den Zusammenhang zwischen rückenmarksnahen Anästhesien (PDA, SPA) und schwerer maternaler Morbidität bei der ersten vaginalen Geburt. Unter schwerer maternaler Morbidität (SMM) verstehen ärztliche Geburtshelfer unerwartete Komplikationen im Verlauf der Geburt, die kurz- oder langfristig erhebliche Folgen für die Gesundheit der Frau haben.

Nach Definition der US-Gesundheitsbehörde (CDC) umfasst die schwere maternale Morbidität (SMM) fünf operative Eingriffe (z.B. Entfernung der Gebärmutter) und 16 mütterliche Geburtskomplikationen. Zu letzteren zählen beispielsweise nachgeburtliche Blutungen, Eklampsie und Herzversagen.

Peridural- und Spinalanästhesie nützt auch Frauen mit niedrigem Risiko

Das US-Forscherteam analysierte den Ausgang der ersten vaginalen Entbindung bei 575.524 geeigneten Frauen zwischen 15 und 49 Jahren. Von diesen zählten rund 70 % zur „Niedrigrisikogruppe“ und 30 % zur „Hochrisikogruppe“. Fast jede zweite Frau erhielt während der Entbindung eine rückenmarksnahe Anästhesie.

Bei etwa jeder 77. Geburt erlitt die Mutter eine schwere Komplikation – meist eine nachgeburtliche Blutung (35,6 %). In Verbindung mit einer rückenmarksnahen Anästhesie (PDA, SPA) sank das SMM-Risiko um 14 % – unabhängig davon ob die Frau der „Niedrig-“ oder „Hochrisikogruppe“ angehörte.

Der Hauptautor Dr. Dr. Jean Guglielminotti fasst die Studie so zusammen: „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Einsatz rückenmarksnaher Anästhesien bei vaginalen Entbindungen mit einer 14%-igen Verringerung schwerer mütterlichen Morbidität einhergeht.“ Offenbar erleichtert die PDA die frühzeitige Erkennung und schnelle Behandlung bei Geburtskomplikationen, wodurch diese seltener eskalieren sowie lebensbedrohliche nachgeburtliche Blutungen besser verhindert werden können.

Quelle: Jean Guglielminotti et al, Use of Labor Neuraxial Analgesia for Vaginal Delivery and Severe Maternal Morbidity JAMA Netw Open (2022). DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2022.0137

Autor/Autoren: äin-red

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